Lutherkirche, 28. Februar 2021

Liebe Leserin,  lieber Leser,

Es freut mich sehr, folgenden Entschluss der Kirchenvorstands mit Ihnen zu teilen: Ab dem 7. März feiern wir wieder Gottesdienste in der Lutherkirche und in der Christophoruskirche. Für diesen Sonntag müssen wir uns noch mit den Alternativen begnügen.

Der Bibeltext für diesen Sonntag kommt vom Propheten Jesaja. Jesaja wäre in der heutigen Zeit ein sogenannter „Aktionskünstler“. Aktionskunst besteht darin, dass durch eine Aktion die Idee des Künstlers / der Künstlerin zum Ausdruck gebracht wird. Jesaja tritt in der Bibel als Prophet auf und verkündet die Botschaft Gottes auf kunstvolle und aktive Art und Weise. So auch in dem sogenannten „Weinberglied“. Auf hebräisch, der Originalsprache, ist der folgende Text als Gedicht in Reimform und mit Versmaß verfasst. 

„Hört! Ich will ein Lied singen, ein Lied von meinem besten Freund und seinem Weinberg: »Auf einem Hügel, sonnig und fruchtbar, lag das Grundstück meines Freundes. Dort wollte er einen Weinberg anlegen. Er grub den Boden um und räumte alle großen Steine fort. Die beste Rebensorte pflanzte er hinein. Er baute einen Wachturm mittendrin und meißelte einen Keltertrog aus dem Felsen. Wie freute er sich auf die erste Ernte, auf saftige und süße Trauben! Doch die Trauben waren klein und sauer!

Urteilt selbst, ihr Leute von Jerusalem und Juda: Habe ich für meinen Weinberg nicht alles getan? Konnte ich nicht mit Recht eine reiche Ernte erwarten? Warum brachte er nur kleine, saure Trauben?

Wisst ihr, was ich jetzt mit meinem Weinberg mache? Zaun und Schutzmauer reiße ich weg! Tiere sollen kommen und ihn kahl fressen, Ziegen und Schafe, sie sollen ihn zertrampeln! Nie mehr werde ich die Reben beschneiden, nie mehr den harten Boden mit der Hacke lockern; Dornen und Disteln sollen ungehindert wuchern. Ich verbiete den Wolken, ihm Regen zu bringen. Soll der Weinberg doch vertrocknen!«

Dies ist eure Geschichte, ihr Israeliten. Ihr seid der Weinberg, und euer Besitzer ist der HERR, der allmächtige Gott. Ihr aus Israel und Juda, ihr seid die Pflanzung, auf deren Erträge er sich freute. Er wollte von euch gute Taten sehen, doch er sah nur Bluttaten; ihr habt nicht Recht gesprochen, sondern es gebrochen!“

Hier platzt der ganze Frust Jesajas über seine Mitmenschen und deren Gottlosigkeit heraus. Mit seinen Worten zeichnet er ein vernichtendes Bild der damaligen Gesellschaft.

Diese Aktion von Jesaja nahm zur Zeit der Reformation wiederum ein Künstler auf: Lucas Cranach der Jünger malte einen Weinberg, der teils von der damaligen Kirche und teils von den Vertretern der Reformation bewirtschaftet wird. Cranach war sich scheinbar sicher, dass Gottes Weinberg von der neuen Bewegung besser bewirtschaftet würde als bisher. Zahlreiche reformatorische Personen und Hinweise sind in diesem Bild zu finden: Martin Luther ist u.a. abgebildet, Philipp Melanchthon schöpft Quellwasser – ein Verweis auf den reformatorischen Leitspruch „ad fontes“ – „hin zu den Quellen“. 

Würde heute eine Künstlerin das Weinberglied in unsere Zeit übertragen, wie würde ihr Lied klingen oder ihr Bild aussehen? Wen würden wir selbst anklagen, Gottes Weinberg zu vernichten – und für was würden wir persönlich beschuldigt werden?

Die Passionszeit ist eine Zeit der Einkehr und inneren Vorbereitung auf Ostern. Kritische Selbstreflexion über das eigene Handeln bietet sich in dieser Zeit an. Der Text von Jesaja, das Bild von Cranach regen uns dazu an zu überlegen, wie wir mit Gottes Weinberg – unserer Welt und unserer Kirche - umgehen. 

Doch das Ziel der eigenen Überlegungen ist kein verdorrter und unfruchtbarer Weinberg, sondern Ostern. An Ostern sagt Gott „Ja!“ zum Leben, auch wenn es keine Frucht trägt. Der Frust über unsere eigene Unzulänglichkeit mündet an Ostern in die Hoffnung, neu beginnen zu können. 

Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Sonntag, 

auch von Pfarrer Echtermeyer,   Pfarrerin Anke Mölleken

 

 


 

WGT 2021 1

 

Weil die Frauen in Vanuatu auf uns zählen… 

Riesengroß war die Freude, als Vanuatu den Zuschlag bekam, den Weltgebetstag 2021 auszurichten… denn ihr Land ist kaum bekannt, und über das Schicksal der Frauen dort weiß kaum jemand hier in Europa. 

Vanuatu, ein Inselstaat im Pazifischen Ozean, ist eines der letzten Paradiese der Erde. 
Die Landschaft ist traumhaft schön, es ist warm, botanisch und klimatisch ein Südseetraum. Doch daneben leidet Vanuatu von allen Ländern der Erde am stärksten unter den Veränderungen des Klimawandels. Zyklone, Tsunamis, auch Vulkanausbrüche bedrohen die ungeschützten Inseln. Die Korallenriffe vor den Küsten bleichen und sterben, der Meeresspiegel steigt, versalzt Felder und überspült Friedhöfe. Die Ni-Vanuatu – so nennen sich die Menschen dort selbst – möchten, dass wir davon wissen und unseren Lebensstil ändern, damit ihre Heimat nicht untergeht. 
Außerdem gibt es in Vanuatu ein erschreckend hohes und heftiges Ausmaß an Gewalt gegen Frauen und Kinder. Frauen haben zwar das Wahlrecht, es sitzt jedoch keine einzige Frau im Parlament. Die Männer dominieren Wirtschaft, Politik, Justiz, Polizei und Militär. 
Auch darüber hört man wenig – weder in Vanuatu noch weltweit. 

Worauf bauen wir? Das ist das Thema des Weltgebetstags 2021. Die Frage spricht uns unmittelbar an – im Blick auf Vanuatu, auch im Blick auf die Corona-Pandemie.  
Jesus sagt: Baut auf mein Wort, dann wird euer Haus in Stürmen bestehen. Dort predigt er nicht etwa einfach den Gewaltverzicht, sondern einen überraschenden Widerstand: Wenn einer dich mit der Rückhand auf deine rechte Wange schlägt (sonst müsste da ja die linke Wange stehen, wenn jemand mit rechts zuschlägt) wie eine Sklavin – dann halte ihm auch die linke hin und zwinge ihn, dir auf Augenhöhe zu begegnen. Ducke dich nicht weg, sondern zeig deine Würde und Kraft. 

Dieses Bild passt auf das gebeutelte Vanuatu in seinem Kampf ums Überleben und für Klimagerechtigkeit ebenso wie für den Kampf der Frauen um Anerkennung und körperliche Unversehrtheit in Vanuatu. 

Ein Gottesdienst wird am 5. März um 19:00 Uhr auf Bibel-TV und auf YouTube ausgestrahlt. 

(Link findet sich z.B. auf www.ekkw-weltgebetstag.de )

Die Frauen in Vanuatu zählen auf uns – und nicht nur sie! Der Weltgebetstag hat über 100 Projekte bewilligt, in denen Partnerorganisationen rund um die Erde Frauen und Mädchen stärken. Diese Gelder werden normalerweise durch die Kollekte und den Materialverkauf erwirtschaftet. In diesem Jahr ist der Materialverkauf um 50% eingebrochen – jetzt hoffen alle auf Ihre Spende, damit diese wichtige Arbeit weitergehen kann. 

Unter folgender Kontonummer können Sie spenden: 
Weltgebetstag der Frauen – Deutsches Komitee e.V. 
Evangelische Bank EG, Kassel
IBAN: DE60 5206 0410 0004 0045 40
BIC: GENODEF1EK1

 

YouTube: EKKW-Weltgebetstag
facebook: ekkw-weltgebetstag
Instagram: weltgebetstag_hessen

 


Offene Kirche

Der Kirchraum steht für Sie während der Gottesdienstzeiten offen.

Gebetsimpulse und Andachten zum Lesen für Groß und Klein liegen aus.

 

Für weitere Fragen, auch wenn Sie Unterstützung benötigen, wenden Sie sich gerne an das Pfarramt.